Schwarzer Eisenbahnerhumor

(schwarz deswegen, weil die nachfolgende Geschichte leider so wahr ist, nicht nur auf der Eisenbahn, daß es schon fast nicht mehr lustig ist!)

Die DB gegen die Japaner

Vor langer Zeit verabredeten die DB und die Japaner, daß jedes Jahr ein Wettrudern mit einem Achter auf dem Main ausgetragen werden sollte. Beide Mannschaften trainierten lange und hart, um ihre höchste Leistungsfähigeit zu erreichen. Als der große Tag des Wettkampfes endlich da war, waren beide Mann-schaften topfit.

Die Japaner gewannen mit einem (1) Kilometer Vorsprung!

Nach dieser Niederlage war das DB-Team sehr niedergeschlagen und die Moral auf dem Tiefpunkt. Das obere Management entschied, daß der Grund für diese vernichtende Niederlage unbedingt heraus-gefunden werden mußte. Ein Projektteam wurde dafür extra eingesetzt, um das Problem zu untersuchen und geeignete Maßnahmen zu empfehlen.

Die Untersuchungen ergaben: Bei den Japanern ruderten acht (8) Leute und ein (1) Mann steuerte - im DB-Team ruderte ein (1) Mann und acht (8) Mann steuerten. Das obere Management engagierte daraufhin eine renommierte Unternehmensberatung, um eine Studie über die Struktur des DB-Teams anfertigen zu lassen. Nach Kosten in Millionenhöhe kamen die Berater einige Monate später zu dem Schluß: "Es steuern zu viele Leute und die Ruderkraft ist zu gering."

Um einer weiteren Niederlage gegen die Japaner im nächsten Jahr vorzubeugen, wurde die Teamstruktur des DB-Achters geändert Ein Leistungsbewertungssystem wurde eingeführt, um den Mann, der das Boot rudern sollte, mehr Ansporn zu geben, sich noch mehr anzustrengen um ein Leistungsträger zu werden. Sein Aufgabenbereich wurde erweitert und ihm die volle Verantwortung für die Geschwindigkeit des Bootes übertragen. Die Steuerkompetenzen wurden grundlegend geändert. Es gab jetzt nur noch vier (4) Steuerleute, aber dazu als Aufsicht drei (3) Obersteuerleute. Ein Steuerdirektor wurde als Projektleiter bestellt. Voller Zuversicht, das Richtige getan zu haben, ging es in das nächste Rennen.

Die Japaner gewannen mit zwei (2) Kilometer Vorsprung.

Die DB entließ den Ruderer wegen schlechter Leistung, verkaufte die Ruder, stoppte die Entwicklung neuer Geräte und alle Investitionen für die Erhaltung des Bootes. Der Unternehmensberatung wurde eine lobende Anerkennung für ihre ausgezeichnete Arbeit ausgesprochen. Das eingesparte Geld wurde für die Vergrößerung des oberen Managements verwendet.

Hochgebildete, führende Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung (insbesondere Krankenkassen) oder auch aus manchen Konzernspitzen können an dieser Geschichte wahrscheinlich nichts komisches erkennen. Es wurde doch nur ganz normale Realität beschrieben.

Gefunden habe ich den Text bei Veronika im Stellwerk, verbreitet von Uli Maschek. Denn die, die es betrifft, die können noch darüber lachen. Denn machen kann man ja sowieso nichts, oder?